Zeit für guten Kaffee

Die Kaffeerösterei Sonntagmorgen bloggt über Kaffee, Rösten und den ganzen Rest

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Äthiopien Yirgacheffe – neuer Kaffee, alter Name

5 Kommentare

Oder: Wie der Lukas zum Kaffee kam

Nachdem unsere Rösterei mit einem alle Erwartungen übertreffenden Eröffnungstag im Februar gestartet ist, ging es direkt ans Eingemachte: Neue Kaffees!

Ich stand vor der gar nicht so einfachen Entscheidung, unseren bisherigen Äthiopien Yirgacheffe durch einen neuen zu ersetzen. Natürlich hätte ich einfach einen Yirgacheffe zu etwa den gleichen Konditionen und bei etwa der gleichen Qualität wie bisher kaufen können. Aber mich wurmte ein wenig die Tatsache, dass ich in den letzten 2-3 Jahren mit keinem Yirgacheffe, den ich getrunken habe, so richtig zufrieden war. Für mich ist und bleibt ein Yirgacheffe immer ein besonderer Kaffee, und dieses Besondere wollte ich unbedingt auch wieder in der Tasse haben.

Dazu eine kleine Geschichte, wie denn der Lukas überhaupt zum Kaffee kam:

Vor mittlerweile 9 Jahren mit Anfang 20 hatte ich mir gerade erst überlegt, ich müsste mich mal etwas näher mit Kaffee beschäftigen. Musste ja schliesslich was dran sein, dass wir deutschen nicht unerhebliche Mengen davon jeden Tag zu uns nehmen. Und irgendwie kann es ja auch nicht sein, dass ich Kaffee nur mit viel Milch und noch mehr Zucker ertragen konnte. Ausserdem wurde die Programmiersprache, die wir gerade in der Uni benutzten, nach einer Kaffeesorte benannt: Java. Also auf in ein kleines Café in Münster und einen Java Blawan bestellt. Doch was macht ein gewisser Mario Joka? Statt des bestellten Java bringt er mir einfach einen äthiopischen Yirgacheffe. Zusammen mit dem freundlichen Hinweis, wenn ich mich mit Kaffee beschäftigen will, wäre es doch schön mit äthiopischem Kaffee anzufangen: schließlich kommt die Kaffeepflanze ursprünglich daher, und dort, im alten Abessinien, wurde der Legende nach auch die betörende Wirkung dieser Kaffeekirsche entdeckt.

Leicht pikiert nahm ich das so hin und probierte den Kaffee – und mit einer Aroma- und Geschmacksexplosion machte es Ziiingg in meinem Kopf. Dies war also mein allererster Kaffee-Aha-Moment. Ab dem Zeitpunkt war klar: ich will mehr. Mehr wissen, mehr schmecken, mehr riechen, mehr sehen von Kaffee und allem was dazu gehört. Hätte ich gewußt, was diese Neugier im nächsten Jahrzehnt so alles mit mir anstellt – ich hätte mich wahrscheinlich auf der Stelle für völlig bekloppt gehalten und vorsorglich in die Psychatrie einweisen lassen. Noch ein Hobby konnte ich eigentlich auch überhaupt gar nicht gebrauchen.

Dass ich fast 9 Jahre später nach einer wahren Odyssee (im positiven Sinne) in meiner eigenen Rösterei sitze und diesen Blogeintrag verfasse hätte ich mir nicht träumen lassen – und das macht mich ziemlich glücklich!

OK, nun ist es also verständlich, warum ich von den Yirgacheffes der letzten Jahre etwas enttäuscht war: dieser wichtige Moment ist in meinem kleinen Hirn auf gedeih und verderb mit dem Aroma und dem Geschmack dieser einen Tasse Äthiopien Yirgacheffe von 2004 verbunden. Klar, dass da die leicht anders schmeckenden Ernten der letzten Jahre einfach nicht mithalten konnten.

Auf der Suche nach einem neuen Yirgacheffe bekam ich auch Proben von Trabocca, einem niederländischen Importeur vornehmlich zentralafrikanischer Kaffees mit einem guten Augenmerk für ethische Prinzipien und fairem Handel. Beim ersten Verkosten der Proben war es plötzlich wieder da: dieses spezielle Aroma, dass mich sofort wieder in Erinnerungen an meinen Aha-Moment schwelgen ließ. Genau diesen und keinen andern Yirgacheffe wollte ich also haben.

Nun, wie Murphy es verlangt war das natürlich a) der teuerste und b) leider der am wenigsten für uns zurückverfolgbarste Yirgacheffe von allen. Dazu muss man wissen, dass Äthiopien den Kaffeehandel vor ein paar Jahren komplett verstaatlicht hat. Jeder Kaffee der das Land verlässt (auch die guten Spezialitätenkaffees) muss durch die ECX, die Ethiopia Commodity eXchange, gehandelt werden. Während der Qualitätsprüfung durch äthiopische Kaffeetester (Äthiopien hat übrigens die meisten Q-Grader in Afrika) bekommen die Kaffees dann Namen, die ihrer Geschmacksqualität entsprechen – Yirgacheffe für blumig-würzige Kaffees, Sidamo für eher zitronig-süße, Limu für weinige Kaffees und noch einige mehr. In Äthiopien bezeichnet der regionale Name also nicht mehr die Region, aus der der Kaffee stammt, sondern die Region, nach der der Kaffee typischerweise schmeckt. Das macht es relativ kompliziert, den Kaffee bis zur Farm oder Kooperative zurückzuverfolgen. Trabocca arbeitet eng mit Kooperativen vor Ort zusammen und hat unter anderem das Projekt Operation Cherry Red ins Leben gerufen: dabei geht es darum, nur die reifesten Kirschen einer Ernte zu selektieren und daraus dann höherpreisige, weil bessere, Kaffees zu machen. Das Gros der Profite geht dann wieder in die Kooperativen, um die Kaffeequalität wieder zu verbessern, womit dann wieder bessere Preise erzielt werden können. Mit ein paar Tricks kann man diese Kaffees dann trotz ECX auch nach der Auktion wieder dem Erzeuger zuordnen.

Zurück zu unserem Yirgacheffe: Trabocca hat ihn direkt an der Börse aufgrund der Qualität in der Tasse gekauft – genau wie wir nach einem Blindtest diesen Kaffee von Trabocca gekauft haben. Mehr weiß ich leider nicht darüber. Ich glaube aber, dass in einen Kaffee dieser Qualität sehr viel Arbeit mit Liebe zum Detail stecken muss, und das macht man einfach nicht, wenn es sich nicht lohnt. Wer immer diesen Kaffee angebaut, geerntet, sortiert, getrocknet und weiterverarbeitet hat: Danke!

P.s. als Kaffee des Monats ist der Äthiopien Yirgacheffe im Mai 1€ pro Packung günstiger!

5 Kommentare zu “Äthiopien Yirgacheffe – neuer Kaffee, alter Name”

Christian sagt:

Hallo und danke für den tollen Artikel. Kannst Du mir bitte kurz erklären, was ein “Q-Grader” ist?! Aus der Seite, die du verlinkt hast, werde ich leider nicht ganz schlau.

Lukas sagt:

Q-Grader sind vom Coffee Quality Institute zertifizierte Kaffeetester, die sich einem ziemlich rigorosen Lehrgang mit Prüfung unterzogen haben. Wer das schafft, ist sozusagen offiziell besonders gut dazu geeignet, die Kaffeequalität zu bewerten – und die Meinung eines Q-Graders hat auch immer ein gewisses Gewicht. Auch fürs Feedback wichtig: Q-Grader können Defekte im Kaffee ziemlich genau identifizieren, was für die nächste Ernte sehr hilfreich sein kann.

Helmut sagt:

Der Yirgacheffe ist meiner Meinung nach ein ganz besonderer Kaffee und ist definitiv seinen Preis wert. Obwohl er nicht eine Röstung für jeden Tag ist, könnte er sich durchaus etwas mehr in Deutschland etablieren. Vielleicht ist diese blumige irgendwie nach Heidelbeeren erinnernde Note, nichts für den gängigen Kaffeetrinker, aber wer weiß, vielleicht bewegt sich irgendwann der Deutsche aus den Fesseln des schlechten Geschmacks und bedient sich dem Potential seiner Geschmacksknospen. Kaffee ist und bleibt das “Lieblingsgetränk der Deutschen” und genau aus diesem Grund könnte man etwas mehr Interesse gegenüber der Bohne erwarten ;)

Bean sagt:

Kaffee kommt ursprünglich aus Äthiopien? Kommt da nicht auch der vermeintliche Messias von allen dauerkiffenden Rastafari her? Irgendwas muss besonders sein an dem Land.

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