Alle Artikel von Lukas, Röster und Barista von Sonntagmorgen
Vor 5 Jahren hörte ich das erste Mal von diesem neuen Kaffee-Startup, zuckr.com sollte es eigentlich heißen und wollte für Kaffee das werden, was MyMuesli für Frühstückscerealien geworden ist: Kaffee online mischen mit individuellem Etikett und allem was dazugehört. Ich war skeptisch. Till hatte seine Social-Media-Hausaufgaben gemacht und in kurzer Zeit eine treue und laute Gefolgschaft von Freunden und Beta-Testern um sich geschart inkl. einem schönen Ritt durch die Medien, was in mir sofort meine immer latent vorhandene Aversion gegen jede Art von Marketing auslöste und mich zu folgender kurzer Email verleitete, die ich damals an Till und Tamer schrieb (denn laut sein konnte ich schließlich auch, und zu verlieren hatte ich nichts – richtig guter Kaffee war in Deutschland Mangelware und die “Third Wave” kam gerade erst aus Großbritannien und Skandinavien zu uns herübergeschwappt!):
“Wollt ihr eigentlich nur mit Marketing oder auch mit gutem Kaffee Geld verdienen?”
Und anstatt der erwarteten pampigen Antwort bekam ich eine sehr nette Mail von den beiden Jungs zurück mit dem Angebot, doch mal bei einer Tasse Kaffee zu erläutern wie ich das eigentlich genau meine – und was ich mir unter gutem Kaffee eigentlich vorstelle.
Gesagt, getan – über viele Tassen leckeren Kaffee und ein paar zuviele Espressi haben wir uns angefreundet, anschliessend immer mal wieder zusammengearbeitet, wenn es um neue Kaffees im Sortiment ging oder auch mal ein Barista für eine Messe gebraucht wurde. Eins wurde uns bei unser Zusammenarbeit immer klarer: um unseren stetig wachsenden Ansprüchen langfristig gerecht zu werden, brauchen wir neben dem eigenen Rohkaffeesortiment auch eine eigene Rösterei.
Und so findet ihr mich heute hier im Sonntagmorgen.com-Team als Kaffeeröster, Mitinhaber und Zuständiger für die Qualität wieder!

Cupping des Sonntagmorgen-Sortiments 2009 (siehe auch)
Die Aversion gegen jegliche Art Marketing* habe ich immer noch nicht abgelegt, aber wir machen verdammt nochmal guten Kaffee und das darf ich doch wohl auch mal laut sagen. Ist das jetzt schon Marketing?
Also, wenn Du dir das nächte mal nicht sicher bist ob diese pampige Email an einen dir völlig unbekannten angemessen ist – ist sie nicht! Aber wer weiß, was in Zukunft draus wird?
Wenn Du auch deine Geschichte zu Kaffee oder sonntagmorgen.com erzählen magst – erzähl’ sie uns! Unser 5-Jahre-Sonntagmorgen.com-
p.s.: Frohe Ostern!
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* ich vermute diese Aversion hat sich entwickelt, weil ich in annähernd 100% der Fälle von Marketingsprüchen herb enttäuscht wurde – vor allem im Bereich Kaffee. Habt ihr euch mal angeschaut, was auf Kaffeeverpackungen im Supermarkt so alles tolles draufsteht, und dann diesen Kaffee mal geschmeckt?!
Im Februar haben Daniel Ehniss und Benjamin Poszgai ihr Blog thirdwavecoffee.eu gestartet, um endlich wieder etwas Schwung und Unabhängigkeit ins deutsche Kaffee-Social-Web-2.0 zu bringen. Finde ich ja richtig gut und unterstützenswert und es füllt sich langsam mit sehr lesenswerten Artikeln. Kurze Zeit später trudelte direkt eine kleine Interview-Frageliste von Daniel bei mir ein, die ich euch samt meinen teils sehr ausführlichen Antworten nicht vorenthalten möchte!
Wann trinkst Du Deinen ersten Kaffee, und wann Deinen letzten?
Kaffee ist oft das Erste, was ich nach dem Aufstehen mache. Danach kann – langsam! – der Tag kommen.
Den letzten Kaffee des Tages trinke ich meistens zwischen Vier und Fünf – ich versuche, nicht zuviel Kaffee zu trinken, was mir oft nicht leicht fällt. Bei mehr als 5 (großen) Tassen am Tag oder Kaffee nach 6 findet mein Körper, dass gesunder Schlaf ja eigentlich völlig überbewertet ist – dann brauche ich oft mehrere Tage, um das Schlafdefizit wieder auszugleichen.
Dass ich recht empfindlich auf Koffeein reagiere hat mich am Anfang meiner Reise in die Kaffeewelt ziemlich gestört, aber mittlerweile finde ich das sogar vorteilhaft. Umsomehr kann (muss!) ich die wenigen Tassen am Tag genießen!
Auf welche Art bereitest Du am liebsten Deinen Kaffee zu?
Heute mal etwas anderes: kein Kaffee-Blogeintrag, sondern eine kleine Ultrabookbesprechung. Denn im letzten August erreichte uns eine Mail der PR-Agentur von Dell Deutschland – ob wir nicht Interesse hätten, ein XPS 13 Ultrabook zu testen, ob und wie es sich im Alltagsstress bewährt?
Ja, klar. Der Erste Gedanke war natürlich, die Mail direkt in den Spamordner zu verfrachten, wer macht denn sowas? Stellte sich aber heraus, die Mail war echt, das Angebot ernst gemeint – und auch die zu erwartende Staubbelastung in der Rösterei sollte für Dell kein Hindernis darstellen. Ich gebe zu, ich war etwas baff ob dieses aus heiterem Himmel hereinkommenden durchaus nicht unmoralischen Angebots.
Keine Woche später kam dann tatsächlich unser freundlicher, stets herrlich zynischer UPS-Mensch die Treppe zu unserem Heim herauf* und hatte ein kleines schickes Pappköfferchen mit einem nagelneuen Dell XPS 13 Ultrabook in der Hand (in der mittleren Ausstattungsvariante: 4GB Arbeitsspeicher, Core i5-2467M Prozessor, 128GiB SSD). Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich das Ganze bis zuletzt noch für einen gut gemachten Hoax gehalten habe.
An dieser Stelle ein kleiner DISCLAIMER: Wir haben das Gerät von Dell zur kostenlosen Verfügung gestellt bekommen. Die einzige Bedingung war, sollten wir im Blog oder sonstwo im Social Web darüber berichten, dass wir dann auch darauf hinweisen dass es ein kostenloses Gerät von Dell ist und wir im Gegenzug Dell natürlich berechtigen, unsere Berichte für die eigene PR zu verwenden. Dem sei hiermit genüge getan – mein Eindruck ist, dass Dell sehr genau weiß, wie man sich im Social Web bewegt und wie man Blogger gerade eben nicht als günstige PR kauft, sondern fair behandelt. Win-Win sozusagen. Vielen Dank, Dell!
Wie macht es sich?
Nun bin ich ja abseits vom Rösterdasein doch ein kleiner Geek/Admin und habe eine nicht ganz untechnische Herangehensweise. Bevor das XPS kam, war ich mit dem Lenovo ThinkPad X300 aus der prä-Ultrabook-Era schon ziemlich verwöhnt mit einem hervorragenden Display, der ThinkPad-typischen Tastatur und das in einem ziemlich mobilen Gerät. Daran muss sich das XPS 13 natürlich messen lassen.
Und was soll ich sagen? Nach anfänglicher Skepsis ob des doch sehr schicken Designs und des mittelmäßigen Displays war und bin ich noch immer ziemlich begeistert von dem Gerät. Die Tastatur ist richtig gut, und trotz jahrelangem Tippen auf Sun-Type-6- und ThinkPad-Tastaturen ging die Umgewöhnung ziemlich schnell und völlig schmerzlos vonstatten.
Das XPS 13 Ultrabook fühlt sich sehr solide an, der Kunststoff auf der Rückseite und der Handballenauflage ist haptisch sogar noch schöner als das Alu der Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel. Es ist leicht und klein genug um in Taschen nicht zu stören und lässt sich gut einhändig tragen. Robust ist es auch – jedes andere Notebook, das ich länger als 3 Monate in Besitz hatte, hatte deutlich eher sehr viel hässlichere Abnutzungsspuren als das XPS 13. Eigentlich hat es bis auf ein paar Lackabplatzer unterhalb des Stromanschlusses keine wirklichen optischen Mängel – wer mich kennt weiß, ich gehe nicht eben zimperlich mit meinen Computern um. Die sollen einfach funktionieren und nicht schön aussehen, von Laptoptaschen halte ich nicht sehr viel – das Gerät kommt halt direkt in die Tasche wie alles andere auch!
Natürlich habe ich das vorinstallierte Windows ziemlich direkt durch das von Dell und Canonical zusammengestellte Project Sputnik-Ubuntu ersetzt. Ein schnödes Windows 7 auf solch einem super-schicken Gerät fühlte sich einfach fundamental falsch an. Nach anfänglichen Treiberproblemen läuft das mittlerweile völlig langweilig, sprich: einfach herrlich zuverlässig. Die Akkulaufzeit ist mit irgendwas zwischen 4 und 7 Stunden ziemlich gut.
Es nervt nicht!
Neben dem Röster macht es sich auch hervorragend: damit logge ich die Temperaturkurven aller Röstungen, und von der Hitze, die der Röster dabei abstrahlt, und der staubigen Umgebungsluft hat sich das Gerät bisher nicht stören lassen. Außerdem ist es schnell – in den vergangenen Monaten habe ich mir nicht ein einziges Mal den schnelleren Prozessor gewünscht – das ganze System funktioniert einfach ziemlich fluffig und nervt nicht.
“Nervt nicht” ist so ziemlich die wichtigste Eigenschaft, die dieses Gerät hat – vorher war mir gar nicht klar, wie sehr mich andere Computer genervt haben weil sie zu langsam, zu laut, zu schwer, zu knarzig waren, zu kleine SSDs, nicht funktionierende Treiber oder sonst etwas hatten. Für mich ist das hier mit dem Project Sputnik-Ubuntu im Moment so ziemlich die Idealkombination: gewohnte Arbeitsumgebung, alles funktioniert, Gerät nervt nicht. Und schön aussehen tut es obendrein auch noch.
Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Das Display. Dell, ernsthaft? 1366×768 Pixel auf 13.3″ bei dem Preis? Mein vorheriges ThinkPad X300 hatte ein besseres Display UND eine höhere Auflösung UND 16:10 statt 16:9 (ja, es war neu auch teurer – das ist aber keine Ausrede: mein erstes Laptop in 2003 hatte ein 16:10 Display, 12″ und 1280x800px. Das Display war besser und hat damals vergleichbar viel gekostet wie das XPS 13 jetzt). Jeder Entwickler, Admin oder sonstwie mit einem portablem Computer Arbeitende wird das gleiche sagen: 16:9 ist schön zum Filme gucken, aber nicht gut zum Arbeiten, zumal in dieser geringen Auflösung. Ein Display mit etwas höherer Auflösung und bestenfalls sogar besserem Seitenverhältnis – dann wäre das XPS 13 Ultrabook auf der Liste meiner Will-Haben-Geräte sehr weit oben.
Überraschenderweise habe ich mich trotzdem recht schnell an das Display gewöhnt: die bessere Mobilität und dieses tolle “nervt nicht”-Feature machen die Displayauflösung tatsächlich zu einem kleineren Ärgernis, mehr aber auch nicht.
Die 2. Schattenseite: Das Gerät war laut. Der kleine Lüfter ging ziemlich oft an und musste recht viel heiße Luft aus dem Gehäuse pusten. Auf irgendeiner zufälligen Internetseite las ich dann, Dell hätte manchmal Qualitätsprobleme bei den Wärmeleitpads bzw. der Wärmeleitpaste zwischen Kühlkörper und CPU. Und tatsächlich: nachdem ich die Wärmeleitpaste fachgerecht getauscht hatte, war das Gerät plötzlich deutlich leiser, und zwar dauerhaft. Es wurde auch weniger warm in der oberen Tastaturhälfte. Ja, OK, damit habe ich mir warscheinlich dieses Ding mit der Garantie verscherzt (die wir von Dell freundlicherweise auch bekommen haben) – aber hey, ich bin Admin. Sowas mache ich halt. Und das Ergebnis gibt mir recht – aber, Kinder, macht das ja nicht Zuhause nach!
Das bringt mich zu einer weiteren Überraschung: Das Gerät ist von innen zwar kompakt, aber komplett übersichtlich aufgebaut. Akku ausbauen (der ist verschraubt), Lüfter und Kühlkörper abnehmen und die Wärmeleitpaste tauschen war in erfreulich kurzer Zeit erledigt. Ich habe den Eindruck, dass das nicht normal ist bei Ultrabooks. Daumen Hoch dafür!
Fazit: als mobiler Begleiter für überall, den man auch zwischendurch einfach mal kurz benutzen kann ohne dass es durch zu lange Aufwachzeiten oder einen auf sich aufmerksam machenden Lüfter nervt – fast perfekt. Für längere Programmiersitzungen arbeite ich aber nach wie vor an meinem PC: Die Ergonomie am Schreibtisch ist schlicht besser als an einem (jedem!) Notebook/Ultrabook – und 4GiB Arbeitsspeicher sind einfach zu wenig. Mehr Arbeitsspeicher und ein besseres Display würden meinen PC im Büro allerdings sehr schnell ziemlich überflüssig machen.
Details?
In diesem kleinen Review finde ich herrlich wenige technische Details. Das liegt wohl daran, dass technische Details nur dann wichtig werden, wenn “nervt nicht” gerade nicht funktioniert. Siehe das Display. “Funktioniert einfach, nervt nicht” dagegen macht die vielen kleinen technischen Details, die dazu führen dass es einfach funktioniert und eben nicht nervt, ziemlich unwichtig – und damit hat Dell (und vermutlich auch eine Reihe weiterer PC-Hersteller, da fehlt mir der Vergleich) wohl eine ziemlich wichtige Lektion von der Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel gelernt. Das finde ich gut.
Oh, übrigens hat Dell kürzlich auf der CES ein XPS 13 Ultrabook mit Full-HD Display und 8GiB Arbeitsspeicher vorgestellt. Damit ist es soeben auf meiner Liste der Will-Haben-Geräte auf Platz 1 gerückt – Dell hat damit die wichtigsten Kritikpunkte (damit war ich wohl nicht alleine) vollständig eliminiert. Will Haben!
Wisst ihr, was mir jetzt noch fehlt? Ein “funktioniert einfach, nervt nicht”-Smartphone. Aber man kann ja scheinbar nicht alles haben (wehe, es nimmt jetzt jemand das I-Wort in den Mund).
So long,
Lukas
* das Ultrabook sollte natürlich direkt zur Rösterei geliefert werden – aber hier aufm’ Dorf weiß auch der UPS-Mensch, wo wir wohnen wenn wir gerade zur Mittagspause nicht da sind
Liebe Leute,
was für ein Jahr liegt hinter uns!
2012 war voller Herausforderungen, Veränderungen und spannender Neuigkeiten. Ich kann es kaum fassen, dass die Eröffnung unserer kleinen Kaffeerösterei im Februar 2012 gerade mal ein Jahr her ist – für mich ist dieses Jahr als Kaffeeröster und Mitinhaber unserer kleinen Firma wie im Flug vergangen; Concorde, wenn sie noch fliegen würde. Eine Herausforderung jagte die nächste, der eingekaufte Kaffee wurde immer besser, die Röstungen haben wir immer besser im Griff, wir haben Juan kennengelernt mit dem wir unsere ersten Direct-Trade Kaffeesorten aus Kolumbien bekamen, mit “Mercanta – the Coffee Hunters”, Trabbocca und Amarella sind drei neue Rohkaffeehändler & Importeuere ins Boot gekommen, die jeder für sich spannende Projekte im Ursprung und unglaublich gute Kaffees an Board haben. Viele liebe Stammkunden haben uns die Treue gehalten, auch solche der Ersten Stunde – ein dickes, fettes Dankeschön dafür an dieser Stelle, Ihr seid die Größten! Was im Ladengeschäft gut zu beobachten war erzählt mir im Onlineshop unsere Datenbank: viele Kunden sind im letzten Jahr zu Stammkunden geworden. Das ist toll, denn das zeigt mir, dass wir hoffentlich mehr richtig als falsch gemacht haben im letzten Jahr!
Besonders freue ich mich darüber, dass unsere neuen, qualitativ viel besseren Kaffeesorten bei euch so gut ankommen – Euer Feedback motiviert ungemein, noch besser zu werden, tollere Kaffees zu finden und auch mal was verrücktes zu wagen.
Für mich gab es in 2012 ein paar Kaffee-Highlights:
Yirgacheffe Gr. 3 OCR
Der Äthiopien Yirgacheffe Gr. 3 Operation Cherry Red von der Konga Kooperative, der ist so etwas verrücktes – ich habe noch niemanden sagen hören “hm, schmeckt wie Kaffee”. Es gibt entweder ein “OMG best coffee ever!” oder aber “WTF urgs was ist das denn?!”, aber dazwischen nicht viel! Durch die ziemlich gelungene trockene Aufbereitung hat dieser Kaffee ein extrem intensives Aroma, das gerade als Espresso eine richtige Wucht ist. In Berlin könnt ihr diesen Kaffee übrigens bald in einem kleinen, aber mehr als feinem Café als Espresso, Cappuccino oder Flat White genießen – Details dazu gegen Ende Januar!
Brasilien Fazenda Irarema Decaf
Der Brasilien Fazenda Irarema Decaf – das ist einfach der beste Decaf, den ich je gehabt habe. Ein hervorragender Yellow Bourbon der Fazenda Irarema (die übrigens in direkter Nachbarschaft zur Fazenda Rainha liegt), von Mercanta entkoffeiniert, leider ziemlich teuer, aber eben extrem lecker. Dass er entkoffeiniert ist schmeckt man ihm einfach nicht an! Leider ist nicht mehr sehr viel davon da – welche Sorte diesen Kaffee als entkoffeeinierten in unserem Sortiment beerben wird wissen auch wir noch nicht, aber die Meßlatte ist jetzt auf jeden Fall sehr, sehr hoch angesetzt.
Kolumbien El Zapote
Unser erster direkt gehandelter, kolumbianischer Kaffee von der Hacienda El Encanto der Saldarriagas, Details dazu hier. Tolle Geschichte, toller Kaffee, sehr gut sortiert, unkompliziert, lecker! Im Kaffeetest der Gourmet-Zeitschrift Selection haben wir mit dem Kolumbien El Zapote 4 von 5 Sternen erreicht, und im Kaffee-Test auf kaffee-espresso-trinken.de führen wir mit 9 von 10 Punkten immer noch die Bestenliste an – Danke Juan für diesen tollen Kaffee!
Sumatra Blue Batak
Wieder ein kleiner Spalter, aber in meinen Augen der Winterkaffee schlechthin. Herb-würziges Aroma, Süßholz-artiger Geschmack, Duft nach frischem Tabak – alles, was ein guter Sumatra haben sollte, ohne die Defekte die im typischem Kaffee aus Sumatra leider viel zu häufig zu finden sind. Der Importeur Trabocca hat mit der Auswahl dieses Kaffees wirklich ganze Arbeit geleistet!
Ponya Estate Old Paradenia
Indien Ponya Estate Robusta, Varietät Old Paradenia, ähnlich dem “Monsooning” beim Monsooned Malabar hatte dieser Kaffee mehrere Monate im tropischen Klima gelegenheit bei täglichem Wenden zu reifen und zu dem zu werden was er jetzt ist – der beste Coffea Canephora (oft auch einfach nur als Robusta bezeichnet, leider häufig falsch), den ich bisher hatte. Von wegen “Robusta billig, Arabica gut” – wird ein guter Robusta gehegt und gepflegt wie ein guter Arabica, kann etwas durchaus sehr besonderes dabei herumkommen. Vielen Dank an B. B. Chengappa von den Palthope Estates, zu der auch die Ponya Estate gehört, und Dr. Schwarz von Amarella Trading, die das möglich gemacht haben!
Team
Auch wenn wir manchmal vielleicht einen anderen Eindruck hinterlassen: Wir sind eine ziemlich kleine Firma. Ohne den persönlichen Einsatz unseres hart arbeitenden kleinen, aber feinen und räumlich quer über Deutschland verteilten Team aus Mitarbeitern, Partnern, einfach-so-mal-eben-Helfern, Unterstützern, Freunden und Ratgebern wären wir nicht da, wo wir heute sind – DANKE!
- schreibt Lukas, der in seiner kleinen Rösterei im schön diesigen Porta Westfalica sitzt und sich ‘nen Keks freut!
Hallo liebe Leute, in aller Kürze (Newsletterabonennten wissen schon etwas länger bescheid): Juan und die Saldarriagas waren begeistert, wie wir ihren Kaffee angeboten & geröstet haben. Ob wir nicht Lust hätten, euch für kurze Zeit alle 5 (!) Parzellenkaffees der Haciendas El Encanto und La Claudina anzubieten?
Was für eine Frage. Na klar! Deswegen gibts jetzt im Kolumbien-Special von der Hacienda La Claudina den süßen El Mandarino und schokoladigen Los Andes und von der Hacienda El Encanto den vielschichtigen Los Guayabos und den intensiven La Platanera und den schon bekannten und kräftig-herb-fruchtigen El Zapote . Das Ganze gibts natürlich auch zum Ausprobieren als Ganze Bohne Probierpaket.
Also, wer schon immer mal wissen wollte, wie unterschiedlich Kaffees schmecken können, die in unmittelbarer Nähe wachsen – das ist die Gelegenheit! Natürlich sind alle 5 Kaffees die beste Sortierung – Supremo – und die Qualität sowohl der Rohbohne als auch in der Tasse ist einfach spitze. Juan selbst ist zur Zeit übrigens wieder in Kolumbien – die neue Ernte steht an, und ich bin sehr gespannt wie sich das direkte Feedback von uns und anderen Röstern im März, wenn sie hier ankommt, in der Tasse niederschlägt. So macht Handeln Spaß! Oder, um es wie Mondo del Caffè auszudrücken: Fair gehandelt – aber für ALLE!
Soweit für Heute aus der Rösterei,
Lukas
Oder: Wie der Lukas zum Kaffee kam
Nachdem unsere Rösterei mit einem alle Erwartungen übertreffenden Eröffnungstag im Februar gestartet ist, ging es direkt ans Eingemachte: Neue Kaffees!
Ich stand vor der gar nicht so einfachen Entscheidung, unseren bisherigen Äthiopien Yirgacheffe durch einen neuen zu ersetzen. Natürlich hätte ich einfach einen Yirgacheffe zu etwa den gleichen Konditionen und bei etwa der gleichen Qualität wie bisher kaufen können. Aber mich wurmte ein wenig die Tatsache, dass ich in den letzten 2-3 Jahren mit keinem Yirgacheffe, den ich getrunken habe, so richtig zufrieden war. Für mich ist und bleibt ein Yirgacheffe immer ein besonderer Kaffee, und dieses Besondere wollte ich unbedingt auch wieder in der Tasse haben.
Dazu eine kleine Geschichte, wie denn der Lukas überhaupt zum Kaffee kam:

Erste Röstversuche, seit Ende 2005 mit einem gußeisernen Kaffeeröster anno 1920. Sehr empfehlenswert wenn man einen Gasherd hat
Vor mittlerweile 9 Jahren mit Anfang 20 hatte ich mir gerade erst überlegt, ich müsste mich mal etwas näher mit Kaffee beschäftigen. Musste ja schliesslich was dran sein, dass wir deutschen nicht unerhebliche Mengen davon jeden Tag zu uns nehmen. Und irgendwie kann es ja auch nicht sein, dass ich Kaffee nur mit viel Milch und noch mehr Zucker ertragen konnte. Ausserdem wurde die Programmiersprache, die wir gerade in der Uni benutzten, nach einer Kaffeesorte benannt: Java. Also auf in ein kleines Café in Münster und einen Java Blawan bestellt. Doch was macht ein gewisser Mario Joka? Statt des bestellten Java bringt er mir einfach einen äthiopischen Yirgacheffe. Zusammen mit dem freundlichen Hinweis, wenn ich mich mit Kaffee beschäftigen will, wäre es doch schön mit äthiopischem Kaffee anzufangen: schließlich kommt die Kaffeepflanze ursprünglich daher, und dort, im alten Abessinien, wurde der Legende nach auch die betörende Wirkung dieser Kaffeekirsche entdeckt.
Leicht pikiert nahm ich das so hin und probierte den Kaffee – und mit einer Aroma- und Geschmacksexplosion machte es Ziiingg in meinem Kopf. Dies war also mein allererster Kaffee-Aha-Moment. Ab dem Zeitpunkt war klar: ich will mehr. Mehr wissen, mehr schmecken, mehr riechen, mehr sehen von Kaffee und allem was dazu gehört. Hätte ich gewußt, was diese Neugier im nächsten Jahrzehnt so alles mit mir anstellt – ich hätte mich wahrscheinlich auf der Stelle für völlig bekloppt gehalten und vorsorglich in die Psychatrie einweisen lassen. Noch ein Hobby konnte ich eigentlich auch überhaupt gar nicht gebrauchen.
Dass ich fast 9 Jahre später nach einer wahren Odyssee (im positiven Sinne) in meiner eigenen Rösterei sitze und diesen Blogeintrag verfasse hätte ich mir nicht träumen lassen – und das macht mich ziemlich glücklich!

Cuptasting beim European Team Coffee Challenge 2006. Wir (Team Deutschland) haben übrigens den Filterkaffeeworkshop gewonnen - beim Cuptasting waren die Esten schneller
OK, nun ist es also verständlich, warum ich von den Yirgacheffes der letzten Jahre etwas enttäuscht war: dieser wichtige Moment ist in meinem kleinen Hirn auf gedeih und verderb mit dem Aroma und dem Geschmack dieser einen Tasse Äthiopien Yirgacheffe von 2004 verbunden. Klar, dass da die leicht anders schmeckenden Ernten der letzten Jahre einfach nicht mithalten konnten.
Auf der Suche nach einem neuen Yirgacheffe bekam ich auch Proben von Trabocca, einem niederländischen Importeur vornehmlich zentralafrikanischer Kaffees mit einem guten Augenmerk für ethische Prinzipien und fairem Handel. Beim ersten Verkosten der Proben war es plötzlich wieder da: dieses spezielle Aroma, dass mich sofort wieder in Erinnerungen an meinen Aha-Moment schwelgen ließ. Genau diesen und keinen andern Yirgacheffe wollte ich also haben.

Cupping des Sonntagmorgen-Sortiments 2009 (siehe auch)
Nun, wie Murphy es verlangt war das natürlich a) der teuerste und b) leider der am wenigsten für uns zurückverfolgbarste Yirgacheffe von allen. Dazu muss man wissen, dass Äthiopien den Kaffeehandel vor ein paar Jahren komplett verstaatlicht hat. Jeder Kaffee der das Land verlässt (auch die guten Spezialitätenkaffees) muss durch die ECX, die Ethiopia Commodity eXchange, gehandelt werden. Während der Qualitätsprüfung durch äthiopische Kaffeetester (Äthiopien hat übrigens die meisten Q-Grader in Afrika) bekommen die Kaffees dann Namen, die ihrer Geschmacksqualität entsprechen – Yirgacheffe für blumig-würzige Kaffees, Sidamo für eher zitronig-süße, Limu für weinige Kaffees und noch einige mehr. In Äthiopien bezeichnet der regionale Name also nicht mehr die Region, aus der der Kaffee stammt, sondern die Region, nach der der Kaffee typischerweise schmeckt. Das macht es relativ kompliziert, den Kaffee bis zur Farm oder Kooperative zurückzuverfolgen. Trabocca arbeitet eng mit Kooperativen vor Ort zusammen und hat unter anderem das Projekt Operation Cherry Red ins Leben gerufen: dabei geht es darum, nur die reifesten Kirschen einer Ernte zu selektieren und daraus dann höherpreisige, weil bessere, Kaffees zu machen. Das Gros der Profite geht dann wieder in die Kooperativen, um die Kaffeequalität wieder zu verbessern, womit dann wieder bessere Preise erzielt werden können. Mit ein paar Tricks kann man diese Kaffees dann trotz ECX auch nach der Auktion wieder dem Erzeuger zuordnen.
Zurück zu unserem Yirgacheffe: Trabocca hat ihn direkt an der Börse aufgrund der Qualität in der Tasse gekauft – genau wie wir nach einem Blindtest diesen Kaffee von Trabocca gekauft haben. Mehr weiß ich leider nicht darüber. Ich glaube aber, dass in einen Kaffee dieser Qualität sehr viel Arbeit mit Liebe zum Detail stecken muss, und das macht man einfach nicht, wenn es sich nicht lohnt. Wer immer diesen Kaffee angebaut, geerntet, sortiert, getrocknet und weiterverarbeitet hat: Danke!
P.s. als Kaffee des Monats ist der Äthiopien Yirgacheffe im Mai 1€ pro Packung günstiger!
tl;dr: Die 250g-Päckchen werden im Schnitt 1% günstiger, die Kilopakete im Schnitt 6% teurer.
Liebe Leute,
ich mach’s kurz: wir passen zum 1. Mai unsere Preise an. An marktwirtschaftliche Realitäten (welch schöne Wortschöpfung), vor allem aber an unsere geänderte Firmenstruktur – jetzt, wo wir nicht nur den Rohkaffee selber einkaufen, sondern den Kaffee auch noch in der eigenen Rösterei rösten und sogar im eigenen Laden verkaufen, war es an der Zeit die alte Kalkulation rauszukramen und alles noch einmal neu durchzurechnen. Dazu kommt, dass wir unsere Verkaufspreise seit doch recht langer Zeit schon nicht mehr mit unseren Einkaufspreisen abgeglichen haben – die starken Preiserhöhungen in den letzten beiden Jahren haben wir fast komplett selbst getragen.

5-Jahres-Verlauf von März 2007 bis März 2012 des Kaffee-Preises an der New Yorker Börse. Screenshot von indexmundi.com vom 25.4.2012
Zum Glück hat sich der Markt für Rohkaffee wieder etwas beruhigt und ist zur Zeit auf einem stabilen, verhältnismäßig hohem Niveau (für eine schöne Übersicht über den Börsenpreis siehe zum Beispiel hier. Natürlich zahlen wir mehr als den Börsenpreis für unseren Kaffee, dennoch hängt auch bei Spezialitätenkaffee der Preis recht stark von eben dieser Kaffeebörse ab).
Ich vermute – und hoffe übrigens, nicht zuletzt für die Kaffeeanbauer dieser Welt – dass sich der Wert um den jetzigen einpendelt. Kurz: die Grundpreise für’s 250g-Päckchen werden angepasst und aus 25% Rabatt auf Kilo-Pakete werden etwa 20%.
Die Preise ab 1. Mai für unsere derzeitigen Sorten im Einzelnen:
| Sorte | alt 250g/1kg | neu 250g/1kg |
|---|---|---|
| Australien Skybury (zZ Ausverkauft) | 9,40€/28,20€ | 9,50€/30,40€ |
| Äthiopien Yirgacheffe | 6,40€/19,20€ | 7,10€/22,72€ |
| Brasilien Faz. Rainha Yellow Bourbon | 6,30€/18,90€ | 6,20€/19,84€ |
| Peru Chachapoyas Decaf (nur noch kurze Zeit) | 6,80€/20,40€ | 6,60€/21,12€ |
| Sumatra | 6,80€/20,40€ | 6,80€/21,76€ |
| Tansania AB NGila | 7,30€/21,90€ | 6,50€/20,80€ |
Im Schnitt ergibt das eine Preissteigerung von 6% bei den Kilopackungen und sogar einen Preisrückgang von unglaublichen 1% bei den 250g-Päckchen. Ich halte das für fair, und bevor ich mich an die Neuberechnung der Preise gesetzt habe, hatte ich wirklich befürchtet dass wir vor allem die Kilopreise deutlich stärker erhöhen müssten. So wurde es dann nur eine kleine Anpassung im Endpreis mit einer großen Anpassung der Zwischenrechnugen.
Noch ein kurzes Wort zum Yirgacheffe: seit Mitte Februar ist das eine neue Sorte Yirgacheffe, die wir deutlich teurer als bisher eingekauft haben. Der Grund ist simpel wie einleuchtend: es war einfach der beste Yirgacheffe den ich seit langem unter der Nase hatte. Bisher haben wir ihn schlicht zum alten Preis verkauft
, als Kaffee des Monats Mai widme ich ihm noch einen ausführlicheren Blogpost. Ende Mai wird es auch wieder spannende neue Kaffees im Sortiment geben – Details dazu wenn es soweit ist!
Nachtrag 2. Mai: Asche auf mein Haupt. Das ist mir jetzt wirklich peinlich. Ich habe mich verrechnet – und die Preise für die Kilopakete 6-22 Cent zu niedrig angegeben. Zusammen ergibt das nun eine Preissteigerung von 6% (hauptsächlich wegen des teureren Yirgacheffes). Dann passt das auch mit dem 20%igen Rabatt auf die Kilopakete wieder. Ich geh’ mich mal in ein tiefes, dunkles Loch verkriechen und gucke nochmal in meiner Unterstufenmathebücher.
Liebe Leute!
Nicht, dass ihr sagt ihr hättet von nichts gewusst:
Wir rösten unseren Kaffee jetzt selbst!
Zur Eröffnung unserer Kaffeerösterei laden wir herzlich zum Tag der Offenen Tür
am Samstag, den 18. Februar 2012
von 11-18 Uhr
in die Laurentiusstr. 6, 32457 Porta Westfalica ein.
Ich werde für euch rösten, ihr könnt unsere Kaffees probieren und Kuchen gibt’s auch. Wir freuen uns auf euch – bis Samstag!
(psst: der Brasilien Yellow Bourbon ist schon vom neuen Röster!)
Kurze Zwischenmeldung: der Röster hat gestern wohlbehalten sein neues Zuhause erreicht, die Röstereieröffnung naht (näheres – sobald der Termin steht – natürlich hier im Blog), und wir möchten gerne nicht ganz so viel mitschleppen beim Umzug in die Rösterei.
Deswegen gilt: Ab Sofort 15% auf alles außer Kaffee! Natürlich auch für alle Stelton-, Zassenhaus- und Cilio-Produkte – und den Brugo (in der aktuellen Version 2).
Wie immer ab 40€ Versandkostenfrei und auch sonst ändert sich nix – bis zum Umzug zumindest.
Bis Bald, dann hoffentlich aus der Rösterei ![]()
Lukas
Ich dachte mir, ich mach mich mal nützlich hier. Wozu bin ich denn sonst da, solange die Rösterei noch nicht steht? Also, hier eine zentrale wie einfache Frage:
Kann ich Zuhause mit einfachen Mitteln einen Weltklasse-Kaffee zubereiten?
Aber Hallo! Guter Kaffee Zuhause ist absolut möglich und gar nicht so schwer. Denjenigen von Euch, die sich schon etwas intensiver mit der Kaffeezubereitung beschäftigt haben, mag ich hier nichts neues erzählen – schliesslich bin ich nicht der Erste, der im Netz eine Anleitung zur besseren Kaffeezubereitung veröffentlicht. Trotzdem versuche ich hier, auf meinen Erfahrungen und anderen Anleitungen basierendes Wissen weiterzugeben – denn, um es mit Steve ‘Hasbean’ Leighton zu sagen: Life’s to short for bad coffee!
Heute Teil 1: Weltklasse-Kaffee Zuhause: French-Press, auch Pressstempelkanne, Kaffeebereiter oder Cafetiere genannt.
Dazu brauchst du idealerweise:
- Weltklasse-Kaffee (ich habe da so eine Idee, wo der herkommen könnte)
- eine Kaffeemühle (muss nicht Weltklasse sein, wäre aber natürlich hilfreich)*
- eine French-Press
- Wasserkocher
- Löffel
- eine Waage
- einen Timer, Stoppuhr oder einfach nur eine Uhr
Während das Wasser kocht, kannst du schon einmal den Kaffee abwiegen. Man nimmt etwa 60g Kaffee pro Liter Wasser, das macht bei einer 0.35L French-Press also 21g Kaffee, bei 0.75L 45g Kaffee und bei einer großen 1L French-Press – klar, 60g Kaffee.
Hat das Wasser gekocht, den Kaffee mahlen. Das kann ruhig einen Moment dauern, denn das Wasser sollte auf 96-92 Grad abkühlen, bevor es mit dem Kaffee in Berührung kommt. Kenia AB mag es etwas heißer, Java lieber etwas weniger heiß.
Der Mahlgrad sollte sehr grob sein, so dass das Mahlgut fast schon geschrotet aussieht. Je gröber das Mahlgut, desto klarer wird später der Geschmack in der Tasse sein. Aber Vorsicht: hier macht sich der Unterschied zwischen Weltklasse-Kaffeemühlen und vielen Haushaltskaffeemühlen bemerkbar. Erstere erzeugen ein sehr gleichmäßig grobes Mahlgut, letzterer haben einen deutlich größeren Anteil an feineren Partikeln. Wenn du das Gefühl hast, deine Mühle erzeugt viel von den feinen Partikeln, mahl’ lieber nicht ganz so grob und nimm dafür eine oder zwei Minuten von der Extraktionszeit weg. Feine Partikel extrahieren viel schneller als Grobe, machen den Kaffee schnell bitter und nehmen viel von der Klarheit weg, die eine gute French-Press-Extraktion ausmachen.
Den Kaffeebereiter mit etwas Wasser aus dem Wasserkocher vorwärmen:
Hier benutze ich einen 0.75L Kaffeebereiter, nehme also 45g recht grob gemahlenen Kaffee:
Anschließend den Kaffee mit etwa 1/5 der Gesamtwassermenge aufgießen, so dass der Kaffee für etwa 30 Sekunden quellen kann. Dabei sollte er etwas aufgehen; es entweicht recht schnell aromatisches CO/2 aus dem Mahlgut. Je frischer und/oder dunkler geröstet der Kaffee, desto mehr geht er auf.
Nach 30 Sekunden vorsichtig 1-2 mal umrühren und mit dem Rest Wasser aufgießen. Das geht übrigens am einfachsten auf einer Waage, da ja praktischerweise 1ml Wasser fast genau 1g wiegt – so muss man nicht mit Messbechern hantieren. Besonders bei kleineren Portionen ist es wichtig, genau zu arbeiten, da man sonst schwerlich reproduzierbare Ergebnisse erzielt.
Nach 4:30 Gesamtbrühzeit ist der Kaffee fertig. Was dann kommt, mag den einen oder anderen überraschen:
- nimm zwei Esslöffel (oder Sahnelöffel, wenn du hast, damit geht es einfacher)
- einmal kurz umrühren und damit die oberste Schicht durchbrechen
- schöpfe die obere Schicht Schaum und Mahlgut ab, in den Ausguss oder die Biotonne.
Huch, warum das denn? Ganz einfach: der Schaum sieht zwar toll aus, aber: er schmeckt nicht. Und führt auch noch zu mehr Prütt in der Tasse. Genau so macht man das übrigens auch beim professionellen Cuptasting: Kaffeemehl in die Tasse, Wasser drauf – nach 5 Minuten die “Kruste” brechen, umrühren und abschöpfen.
Anschließend den Drücker auf die Kaffeeoberfläche setzen und dort 10-15 Sekunden stehen lassen. Dadurch wird das Metallgitter aufgewärmt und dehnt sich ein ganz klein wenig aus (Physikunterricht lässt grüßen!), so dass es besser gegen die Glaswand abschließt und weniger Prütt durchlässt.
Nun langsam den Drücker nach unten drücken – mit möglichst wenig Kraft, denn je mehr Kraft aufgewendet wird, desto mehr Turbulenzen werden erzeugt und desto mehr extrahiert der Kaffee nach – die Extraktion ist jetzt aber eigentlich schon beendet und wir möchten nur noch den fertigen Kaffee vom Kaffeemehl befreien. Alles, was jetzt noch extrahiert, wird nur noch bitter. Idealerweise hinterlässt du dabei nicht so ein Chaos wie ich das hier für diese kleine Anleitung produziert habe!
Lass die Kanne noch eine Minute stehen, bevor du den Kaffee in die Tasse gießt. Dadurch haben die letzten noch oben in der Kanne verbliebenen Schwebeteilchen die Chance, sich am Boden abzusetzen. Je weniger davon in der Tasse landen, desto klarer und sauberer wird der Geschmack!
Und nun endlich: vorsichtig eingießen und genießen!
Vielen Dank an James Hoffmann und Anette Moldvaer von Squaremilecoffe, die mir diese Methode zum ersten mal gezeigt haben. Sie wurde damals dem Kenia Muchoki Peaberry mehr als Gerecht! Und Dank auch an Hasbean’ Steve für seine exzellenten Zubereitungstutorials!
Update, 16. Januar: habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich natürlich schwer daran interessiert bin, was ihr davon haltet. Schmeckt der Kaffee so besser oder schlechter, ist etwas unverständlich formuliert oder habt ihr andere/bessere Methoden?
*Du kannst deinen Kaffee auch vorgemahlen für die French-Press bestellen. Kaffee verliert jedoch sehr schnell einen Großteil seines Aromas. Einen Tag, nachdem der gemahlene Kaffee geöffnet wurde, schmeckt er eher flach und uninteressant. Die Anschaffung einer eigenen Mühle lohnt sich geschmacklich immer!
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