Stark und unfair? | Sonntagmorgen Kaffee

Stark und unfair?

von Till

Kaffee-EtikettHeute war ein Kaffee unter den Bestellungen, der die Aufschrift “Stark, unfair” trug. Bei solchen Texten durchzuckt es einen für einen Moment. Auch wenn es wahrscheinlich nur ein Scherz für den Empfänger ist, denkt man als Blog-Leser an Dinge wie Jonah Perettis Nike-Schuhe mit dem Aufdruck “Sweatshop” (Ausbeutungsbetrieb).

Ein erster Impuls ist, den Kaffee mit diesem Aufdruck nicht rauszuschicken. Am Ende steht er irgendwo auf dem Tisch und vermittelt den Eindruck, wir scherten uns nicht um die Produktionsbedingungen unseres Kaffees. Im Gegenteil machen wir uns nämlich eine ganze Menge Gedanken darüber, wie  ein tatsächlich vertrauenswürdiges, wirtschaftlich realisierbares und “gutes” Fairtrade-Modell aussehen könnte.

Das ist gar nicht so einfach, denn Transparenz haben sich die meisten Akteure des Kaffeemarktes nicht gerade auf die Fahnen geschrieben. Oft verliert sich die Spur eines Kaffees im Verschiffungshafen. Der Importeur, der bis dato unseren Kaffee einführt, kann oder will uns keine Auskunft geben. Das passiert aber selbst bei der Fairtrade-Organisation, von der unser zertifizierter Kaffee kommt: “Ich habe hier einen Sack, da steht Mexiko drauf. Woher kommt denn der jetzt genau?” – “Wissen wir auch nicht.” Nichts als Achselzucken.

Ich unterstelle den meisten Fairtrade-Organisationen die allerbesten Absichten, aber ein Siegel heißt für mich persönlich erst mal rein gar nichts. Zumal es zwischen den verschiedenen Siegeln und ihren Kriterien große Unterschiede gibt. Manchmal weiß man nicht, ob man über die Zertifizierungs-Richtlinien lachen oder weinen soll. Ich will in Zukunft lieber versuchen, die Herkunft des Kaffees so weit wie möglich offen zu legen und seine Produktionsbedingungen transparent zu machen. So kann jeder selbst entscheiden.

Das Päckchen “Stark, unfair” mit 250g Robusta als ganze Bohne darin haben wir übrigens abgesendet – ich habe noch eine Probe von unserem fair gehandelten Mexiko beigelegt.

Eine Antwort zu “Stark und unfair?”

  1. willi Says:

    natürlich – wenn das Geld lockt – wird es schwarze Schafe geben. Vielleicht will der Verbraucher aber auch ” belogen ” werden, gespaltene Persönlichkeiten gibts ja überall, grün wählen, Porsche fahren, bio einkaufen, eon Aktien zeichnen,.und einen Urlaub in …

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