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tl;dr: Die 250g-Päckchen werden im Schnitt 1% günstiger, die Kilopakete im Schnitt 6% teurer.

Liebe Leute,

ich mach’s kurz: wir passen zum 1. Mai unsere Preise an. An marktwirtschaftliche Realitäten (welch schöne Wortschöpfung), vor allem aber an unsere geänderte Firmenstruktur – jetzt, wo wir nicht nur den Rohkaffee selber einkaufen, sondern den Kaffee auch noch in der eigenen Rösterei rösten und sogar im eigenen Laden verkaufen, war es an der Zeit die alte Kalkulation rauszukramen und alles noch einmal neu durchzurechnen. Dazu kommt, dass wir unsere Verkaufspreise seit doch recht langer Zeit schon nicht mehr mit unseren Einkaufspreisen abgeglichen haben – die starken Preiserhöhungen in den letzten beiden Jahren haben wir fast komplett selbst getragen.

5-Jahres-Verlauf von März 2007 bis März 2012 des Kaffee-Preises an der New Yorker Börse. Screenshot von indexmundi.com vom 25.4.2012

Zum Glück hat sich der Markt für Rohkaffee wieder etwas beruhigt und ist zur Zeit auf einem stabilen, verhältnismäßig hohem Niveau (für eine schöne Übersicht über den Börsenpreis siehe zum Beispiel hier. Natürlich zahlen wir mehr als den Börsenpreis für unseren Kaffee, dennoch hängt auch bei Spezialitätenkaffee der Preis recht stark von eben dieser Kaffeebörse ab).

Ich vermute – und hoffe übrigens, nicht zuletzt für die Kaffeeanbauer dieser Welt – dass sich der Wert um den jetzigen einpendelt. Kurz: die Grundpreise für’s 250g-Päckchen werden angepasst und aus 25% Rabatt auf Kilo-Pakete werden etwa 20%.

Die Preise ab 1. Mai für unsere derzeitigen Sorten im Einzelnen:

Sorte alt 250g/1kg neu 250g/1kg
Australien Skybury (zZ Ausverkauft) 9,40€/28,20€ 9,50€/30,40€
Äthiopien Yirgacheffe 6,40€/19,20€ 7,10€/22,72€
Brasilien Faz. Rainha Yellow Bourbon 6,30€/18,90€ 6,20€/19,84€
Peru Chachapoyas Decaf (nur noch kurze Zeit) 6,80€/20,40€ 6,60€/21,12€
Sumatra 6,80€/20,40€ 6,80€/21,76€
Tansania AB NGila 7,30€/21,90€ 6,50€/20,80€

Im Schnitt ergibt das eine Preissteigerung von 6% bei den Kilopackungen und sogar einen Preisrückgang von unglaublichen 1% bei den 250g-Päckchen. Ich halte das für fair, und bevor ich mich an die Neuberechnung der Preise gesetzt habe, hatte ich wirklich befürchtet dass wir vor allem die Kilopreise deutlich stärker erhöhen müssten. So wurde es dann nur eine kleine Anpassung im Endpreis mit einer großen Anpassung der Zwischenrechnugen.

Noch ein kurzes Wort zum Yirgacheffe: seit Mitte Februar ist das eine neue Sorte Yirgacheffe, die wir deutlich teurer als bisher eingekauft haben. Der Grund ist simpel wie einleuchtend: es war einfach der beste Yirgacheffe den ich seit langem unter der Nase hatte. Bisher haben wir ihn schlicht zum alten Preis verkauft ;) , als Kaffee des Monats Mai widme ich ihm noch einen ausführlicheren Blogpost. Ende Mai wird es auch wieder spannende neue Kaffees im Sortiment geben – Details dazu wenn es soweit ist!

Nachtrag 2. Mai: Asche auf mein Haupt. Das ist mir jetzt wirklich peinlich. Ich habe mich verrechnet – und die Preise für die Kilopakete 6-22 Cent zu niedrig angegeben. Zusammen ergibt das nun eine Preissteigerung von 6% (hauptsächlich wegen des teureren Yirgacheffes). Dann passt das auch mit dem 20%igen Rabatt auf die Kilopakete wieder. Ich geh’ mich mal in ein tiefes, dunkles Loch verkriechen und gucke nochmal in meiner Unterstufenmathebücher.


Wir haben eben über unseren Twitter-Account schon darauf hingewiesen: Gerade läuft eine online-Petition für die Abschaffung der Kaffeesteuer. Gestartet wurde die Petition von den Kollegen bei Coffee Hunting. Deren Mitgründer Jörg Volkmann argumentiert, den deutschen Kaffeeröstern entstünden dadurch Wettbewerbsnachteile, die Steuer sei unzeitgemäß, der administrative Aufwand sei zu hoch und durch die zusätzliche Mehrwertsteuer fände eine Doppelbesteuerung statt. Die ausführlichere Argumentation findet sich hier. Jörg hat einige erste Reaktionen zusammengestellt und die ersten großen sind auch mit dabei.

KaffeesteuerIch persönlich fand die Kaffeesteuer ja bisher gar nicht so übel. Als absolute Steuer von 2,19 Euro auf jedes geröstete Kilo verringert sie ein wenig den preislichen Abstand zwischen teuer eingekauftem und aufwendig geröstetem Spezialitätenkaffee und dem braunen Pulver im Supermarkt (unser Rohkaffee + Kaffeesteuer ist teilweise schon teurer als der Verkaufspreis beim Discounter – die Ersparnis lässt sich nicht allein durch eine effizientere Produktion erzielen, aber das ist ein anderes Thema). Fällt also diese Kaffeesteuer nun weg, ist der Unterschied in absoluten Zahlen der gleiche, prozentual fällt er aber noch mehr ins Gewicht. Sind die Leute erst gewöhnt, für ein Pfund Discount-Kaffee unter 2 Euro zu bezahlen, könnte die Argumentation für in doppeltem Sinne “guten” Kaffee schwerer werden.

Auf der anderen Seite steht, dass man für 2,19 Euro mehr pro Kilo ein deutliches Mehr an Qualität und Fairness finanzieren könnte. Jörg und ich würden das gern tun. Fraglich bleibt, ob das alle Produzenten und vor allem auch Konsumenten so sehen. Da bin ich skeptisch.

Die Wettbewerbsnachteile sehe ich nicht, weil die Steuer schließlich nur bei Verkauf im Inland fällig wird und ebenso auf importierten Röstkaffee aufgeschlagen wird. Gleiches Recht für alle also, wenn man von dem bißchen privatem Schmuggel im Grenzland absieht (von dem in Nachkriegszeiten der Überlieferung nach die Kirche von Schmidt in der Eifel wieder aufgebaut wurde). Doppelbesteuerung ist für mich ein abstrakter rechtlicher Begriff, der mir wenig sagt.

Aber unzeitgemäß kann man die auf preußische Gesetze aus dem 18. Jahrhundert zurückgehende Steuer wohl sicher nennen. Warum ausgerechnet die Kaffeetrinker das Steuersäckel füllen sollen, leuchtet mir einfach nicht ein. Jörg fragt sich, warum die Teesteuer 1993 abgeschafft wurde. Bei 6 Millionen Euro Steueraufkommen kein Wunder. Wahrscheinlich war der Aufwand zur Erhebung fast so hoch wie die Einnahmen. Bei Kaffee ist es noch über eine Milliarde. Im Gegensatz zu Autofahrern, die z.B. Kosten im Straßenbau und der Kompensation von Umweltfolgen verursachen, oder zu Rauchern, die ihre Gesundheit schädigen, tun die Kaffeetrinker weder sich noch anderen etwas z Leide. Warum sollte man sie bestrafen? Warum keine Brotsteuer?

Letztlich ist es diese prinzipielle, völlig unbeantwortete Frage nach dem “Warum?” und dem Sinn, die mich dazu bringt, die Petition mitzuzeichnen. Nicht die Hoffnung darauf, dass die marktbestimmenden Großröster von den gesparten Milliarden Schulen bauen. Wir werden sehen.