Ein fast schon wissenschaftlich klingender Titel. Das, was ich euch jetzt beschreiben möchte, ruft tatsächlich danach, einmal wissenschaftlich untersucht zu werden (vermutlich wurde es das auch bereits). Folgende drei kurze Anekdoten:
Anekdote #1
Besuch in einer kleinen Kaffeerösterei im Ruhrgebiet. Ein uriges kleines Ladengeschäft mitten in der Innenstadt.
Als Kaffee des Monats wird ein kenianischer Kaffee angeboten, den kaufe ich natürlich sofort und möchte ihn auch gerne gleich probieren – leider wird Kaffee nur auf dem Marktstand der Rösterei ausgeschenkt, nicht im Laden. Also auf zum Markt, dort schnell einen Kaffee des Monats bestellt – und sofort fängt die Geschmacksanalyse an:
- ordentlich gebrühter Filterkaffee (leider nicht selbstverständlich heutzutage!)
- ein bisschen Säure, ein bisschen Körper, etwas komplexität, mittelkräftig …
- aber halt, für einen kenianischen Kaffee passt das alles irgendwie nicht so recht zusammen!
Ich bin unzufrieden und wundere mich, bin schon versucht den Kaffee als Enttäuschung abzuspeichern. Auf Nachfrage finde ich allerdings heraus, dass der Kaffee des Monats im Ladengeschäft – Kenia – ein anderer ist als der Kaffee des Monats auf dem Marktstand – nämlich ein nicht näher spezifizierter aus Guatemala.
Und plötzlich denke ich: Heh, zu einem runden Kaffee aus Guatemala passen all die Eigenschaften, die ich gerade veranalysiert habe und die mich erst denken ließen, dass der Kaffee doch eigentlich gar nicht so toll ist. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wird der Kaffee plötzlich sogar ziemlich lecker!
Einzig und allein, weil sich die Prämisse geändert hat mit der ich diesen Kaffee betrachtet habe: in Erwartung eines spritzigen, fruchtigen, kräftigen kenianischen Kaffees war das sehr unbefriedigend. Aber als komplexer, mittelkräftiger Kaffee mit feiner Säure aus Guatemala widerum ziemlich lecker! Faszinierend.
Anekdote #2
Besuch bei einem unserer Kunden, die neue Espressomaschine & Mischung möchten aufeinander eingestellt werden. Der Techniker und ich sind uns ziemlich schnell einig: dieser Espresso ist als Bar-Espresso perfekt so wie er ist – samtiges Mundgefühl, schokoladig, etwas herb, zartbitter und trotzdem ein angenehm fruchtiges Aroma, kräftiger, aber ausgewogener Körper, mit lang anhaltendem Nachgeschmack, der mich auch nach 10 Minuten noch daran erinnert, dass ich gerade einen wirklich tollen Espresso getrunken habe. So einen Kaffee wünsche ich mir nach einem guten, deftigen Abendessen!
Wir sind schwer zufrieden mit unserer Arbeit. Aber der Chef sagt: nein, da fehlt doch der Nachgeschmack, und in Milch geht er auch völlig unter! Viel zu weich für einen richtigen Espresso!
Also justieren wir die Maschine etwas, erhöhen den Druck zum Ende der Extraktion (tolle neue Maschine mit der man sowas machen kann) und die Temperatur nochmal um 1 Grad, und finden beide: hm, etwas unausgewogen, es geht jetzt eher ins Bittere, der Kaffee wird ganz leicht adstringierend. Der Chef aber ist vollends zufrieden:
So und nicht anders muss ein guter Espresso schmecken sagt er – und findet ihn wirklich lecker und überzeugend so. Faszinierend.
Anekdote #3
Besuch im Chapter One Coffee in Berlin, letzten Sonntag. Schnackend mit Björn & Nora, bestelle ich einen Espresso, ganz bewusst ohne vorher zu fragen was das für ein Kaffee ist (bin ja lernfähig).
Probiere den ersten Schluck und denke nur holla, der ist aber sauer. Schlürfe ihn langsam weiter und merke wie sich meine Geschmackswahrnehmung allmählich an die intensive Säure gewöhnt und der Espresso plötzlich gar nicht mehr richtig sauer schmeckt, sondern sich total spannende Aromen am Gaumen entwickeln, die vorher völlig von meiner Wahrnehmung der Säure als störend verdeckt wurden.
Ich nehme die Säure jetzt nicht mehr als Alarm wahr, sondern als Geschmacksträger. Total lecker, erstaunlich ausgewogen und rund. Björn erzählt mir später, dass dieser Espresso eigentlich eher am unteren Ende der Säureintensitätskala der guten Cafés in Berlin mitspielt, was mich dann doch ein wenig irritiert hat. Faszinierend.
Was habe ich gelernt?
Geschmack ist relativ. Für die Entwicklung des Bar-Espressos haben wir uns einige Wochen an herbe, schokoladige, cremige Espressi gewöhnt. Ich weiß aber, dass mir ein guter fruchtiger, saftiger, hell gerösteter Espresso auch sehr gut schmeckt – nach einer kurzen Umgewöhnung.
Ich bin mir sicher, dass die beiden Espressi aus Anekdoten 2 und 3 dem jeweils anderen Cafébesitzer nicht schmecken würden. Die liegen geschmacklich diametral komplett auseinander. Ich finde aber auch: beide waren auf ihre Art wirklich ausgesprochen lecker. Kräftig-herb-schokoladig-süß-mit-leichten-Röstnoten als typischer Bar-Espresso vs. Fruchtaromen-Säure-leichter-Körper als Vertreter des modernen “Third Wave“-Kaffeegenuß.
Für beide Ansätze könnte ich jeweils eine Handvoll Kaffee-Profis aufzählen, die den jeweils anderen kategorisch verteufeln.
Ich glaube, da muss kein Widerspruch sein, diese Spaltung ist künstlich. Es gibt hier kein “besser” und “schlechter”*. Es gibt für gewisse Geschmäcker passende und unpassende Kaffees und Röstungen. Und die Geschmäcker entwickeln sich – innerhalb der peer groups – immer weiter und auch zwischen den peer groups auseinander. Das tun Klamottenstile aber auch. Sind Jutebeutel besser als Messengerbags?
Wie seht ihr das? Kann sich hier eine Diskussion entwickeln oder gibt es ausschließlich unverückbare Positionen?
Danke für Eure tollen Geschichten! Da wir uns nicht für zwei Gewinner entscheiden konnten, haben wir uns entschlossen einfach einen weiteren Platz zu küren: Neben dem 6-Monats-Kaffee-Abo und dem All-Inclusive-Kaffee-Starter-
*Trommelwirbel*….. Der dritte Platz und damit 1kg der neuen El-Zapote Ernte geht an eine Einreichung via Mail von J.F. Wir wurden gebeten nicht den vollen Namen zu nennen, aber die Geschichte wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten. Ihr findet sie im weiteren Verlauf dieses Beitrags.
Der zweite Preis und damit 6 Monate lang jeden Monat eine 250g-Packung Sonntagmorgen-Kaffee ganz frisch geröstet nach Hause, geht an *Trommelwirbel* … Tobias Rudolph und seine Suche nach gutem Kaffee.
Nun zum All-Inclusive-Kaffee-Starter-
(weiterlesen …)
Vor 5 Jahren hörte ich das erste Mal von diesem neuen Kaffee-Startup, zuckr.com sollte es eigentlich heißen und wollte für Kaffee das werden, was MyMuesli für Frühstückscerealien geworden ist: Kaffee online mischen mit individuellem Etikett und allem was dazugehört. Ich war skeptisch. Till hatte seine Social-Media-Hausaufgaben gemacht und in kurzer Zeit eine treue und laute Gefolgschaft von Freunden und Beta-Testern um sich geschart inkl. einem schönen Ritt durch die Medien, was in mir sofort meine immer latent vorhandene Aversion gegen jede Art von Marketing auslöste und mich zu folgender kurzer Email verleitete, die ich damals an Till und Tamer schrieb (denn laut sein konnte ich schließlich auch, und zu verlieren hatte ich nichts – richtig guter Kaffee war in Deutschland Mangelware und die “Third Wave” kam gerade erst aus Großbritannien und Skandinavien zu uns herübergeschwappt!):
“Wollt ihr eigentlich nur mit Marketing oder auch mit gutem Kaffee Geld verdienen?”
Und anstatt der erwarteten pampigen Antwort bekam ich eine sehr nette Mail von den beiden Jungs zurück mit dem Angebot, doch mal bei einer Tasse Kaffee zu erläutern wie ich das eigentlich genau meine – und was ich mir unter gutem Kaffee eigentlich vorstelle.
Gesagt, getan – über viele Tassen leckeren Kaffee und ein paar zuviele Espressi haben wir uns angefreundet, anschliessend immer mal wieder zusammengearbeitet, wenn es um neue Kaffees im Sortiment ging oder auch mal ein Barista für eine Messe gebraucht wurde. Eins wurde uns bei unser Zusammenarbeit immer klarer: um unseren stetig wachsenden Ansprüchen langfristig gerecht zu werden, brauchen wir neben dem eigenen Rohkaffeesortiment auch eine eigene Rösterei.
Und so findet ihr mich heute hier im Sonntagmorgen.com-Team als Kaffeeröster, Mitinhaber und Zuständiger für die Qualität wieder!

Cupping des Sonntagmorgen-Sortiments 2009 (siehe auch)
Die Aversion gegen jegliche Art Marketing* habe ich immer noch nicht abgelegt, aber wir machen verdammt nochmal guten Kaffee und das darf ich doch wohl auch mal laut sagen. Ist das jetzt schon Marketing?
Also, wenn Du dir das nächte mal nicht sicher bist ob diese pampige Email an einen dir völlig unbekannten angemessen ist – ist sie nicht! Aber wer weiß, was in Zukunft draus wird?
Wenn Du auch deine Geschichte zu Kaffee oder sonntagmorgen.com erzählen magst – erzähl’ sie uns! Unser 5-Jahre-Sonntagmorgen.com-
p.s.: Frohe Ostern!
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* ich vermute diese Aversion hat sich entwickelt, weil ich in annähernd 100% der Fälle von Marketingsprüchen herb enttäuscht wurde – vor allem im Bereich Kaffee. Habt ihr euch mal angeschaut, was auf Kaffeeverpackungen im Supermarkt so alles tolles draufsteht, und dann diesen Kaffee mal geschmeckt?!
Im Februar haben Daniel Ehniss und Benjamin Poszgai ihr Blog thirdwavecoffee.eu gestartet, um endlich wieder etwas Schwung und Unabhängigkeit ins deutsche Kaffee-Social-Web-2.0 zu bringen. Finde ich ja richtig gut und unterstützenswert und es füllt sich langsam mit sehr lesenswerten Artikeln. Kurze Zeit später trudelte direkt eine kleine Interview-Frageliste von Daniel bei mir ein, die ich euch samt meinen teils sehr ausführlichen Antworten nicht vorenthalten möchte!
Wann trinkst Du Deinen ersten Kaffee, und wann Deinen letzten?
Kaffee ist oft das Erste, was ich nach dem Aufstehen mache. Danach kann – langsam! – der Tag kommen.
Den letzten Kaffee des Tages trinke ich meistens zwischen Vier und Fünf – ich versuche, nicht zuviel Kaffee zu trinken, was mir oft nicht leicht fällt. Bei mehr als 5 (großen) Tassen am Tag oder Kaffee nach 6 findet mein Körper, dass gesunder Schlaf ja eigentlich völlig überbewertet ist – dann brauche ich oft mehrere Tage, um das Schlafdefizit wieder auszugleichen.
Dass ich recht empfindlich auf Koffeein reagiere hat mich am Anfang meiner Reise in die Kaffeewelt ziemlich gestört, aber mittlerweile finde ich das sogar vorteilhaft. Umsomehr kann (muss!) ich die wenigen Tassen am Tag genießen!
Auf welche Art bereitest Du am liebsten Deinen Kaffee zu?
tl;dr: Sonntagmorgen ist seit 5 Jahren online. Darum schenken wir Euch diesen Monat die Versandkosten und noch dazu tolle Preise bei einem kleinen Gewinnspiel. Außerdem machen wir für Euch wie immer verdammt guten Kaffee!
Sonntagmorgen, 10. März 2013. Berlin* ist kalt, verschneit und schläfrig. Zeit für einen guten Kaffee. Diesen Sonntagmorgen gab es aber einen Sekt dazu, denn Sonntagmorgen wird 5 Jahre alt! Schon seit dem 10. März 2008 versorgen wir Euch mit individuellen Kaffeemischungen, ausgesuchten reinen Sorten und hochwertigem Zubehör. Die erinnern sich: Damals sprach man noch von StudiVZ, Zalando musste erst noch gegründet werden und Social Media hießen noch “Web 2.0″.
In 5 Jahren haben wir uns gewandelt und neu erfunden, mit Höhen und Tiefen, von denen einige hier im Blog dokumentiert sind. Von den improvisierten Anfängen über das behutsame Redesign, die Entwicklung unseres Adventskalenders und den neuen Shop bis zum vorerst wichtigsten Schritt: die Eröffnung unserer eigenen Rösterei im Februar des vergangenen Jahres. Wir mischen Euch immer noch gern Eure individuellen Mischungen, aber viele von Euch bestellen einfach unsere reinen Sorten und schätzen uns als Enthusiasten, die es mit gutem Kaffee wirklich ernst meinen.
Egal, ob Ihr Puristen seid oder gern experimentiert, wir möchten Euch alle gern an unserer Feierlaune teilhaben lassen, und daher bekommt Ihr jede Bestellung innerhalb Deutschlands versandkostenfrei, den ganzen Monat und ab dem 1. Euro.
Aber es geht noch weiter: Nicht nur wir haben viel zu erzählen aus 5 Jahren zwischen Bohnen und Pulver. Wir möchten Eure Geschichten hören/lesen/sehen: Erzählt uns Euren Sonntagmorgen-Moment! Was habt Ihr mit Sonntagmorgen-Kaffee erlebt? Oder mit Kaffee im Allgemeinen? Lasst es uns wissen in einem Kommentar, in einem Blogbeitrag mit Link hierher, als @Reply an unseren Twitter-Account oder auf unserer Facebook-Page! Unter Berücksichtigung der Publikums-Kommentare verschenken wir für die schönsten, skurrilsten oder am besten erzählten Geschichten Kaffee und Zubehör aus unserem Sortiment, unter anderem ein Kaffee-Abo!
Danke an alle, die uns seit 5 Jahren die Treue halten. Ein herzliches Willkommen allen, die uns erst kürzlich entdeckt haben. Und wir freuen uns alle auf die nächsten 5 Jahre Zeit für guten Kaffee!
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* Berlin? Ja! Ein Großteil der Rösterei-Heinzelmännchen kümmert sich in Porta Westfalica um den besten Kaffee, aber Service-Fee Marc sitzt in Münster, Shop-Zauberer Leonard in Braunschweig und ich bastle in Berlin an Excel-Tabellen, Shop-Funktionen etc.
Heute mal etwas anderes: kein Kaffee-Blogeintrag, sondern eine kleine Ultrabookbesprechung. Denn im letzten August erreichte uns eine Mail der PR-Agentur von Dell Deutschland – ob wir nicht Interesse hätten, ein XPS 13 Ultrabook zu testen, ob und wie es sich im Alltagsstress bewährt?
Ja, klar. Der Erste Gedanke war natürlich, die Mail direkt in den Spamordner zu verfrachten, wer macht denn sowas? Stellte sich aber heraus, die Mail war echt, das Angebot ernst gemeint – und auch die zu erwartende Staubbelastung in der Rösterei sollte für Dell kein Hindernis darstellen. Ich gebe zu, ich war etwas baff ob dieses aus heiterem Himmel hereinkommenden durchaus nicht unmoralischen Angebots.
Keine Woche später kam dann tatsächlich unser freundlicher, stets herrlich zynischer UPS-Mensch die Treppe zu unserem Heim herauf* und hatte ein kleines schickes Pappköfferchen mit einem nagelneuen Dell XPS 13 Ultrabook in der Hand (in der mittleren Ausstattungsvariante: 4GB Arbeitsspeicher, Core i5-2467M Prozessor, 128GiB SSD). Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich das Ganze bis zuletzt noch für einen gut gemachten Hoax gehalten habe.
An dieser Stelle ein kleiner DISCLAIMER: Wir haben das Gerät von Dell zur kostenlosen Verfügung gestellt bekommen. Die einzige Bedingung war, sollten wir im Blog oder sonstwo im Social Web darüber berichten, dass wir dann auch darauf hinweisen dass es ein kostenloses Gerät von Dell ist und wir im Gegenzug Dell natürlich berechtigen, unsere Berichte für die eigene PR zu verwenden. Dem sei hiermit genüge getan – mein Eindruck ist, dass Dell sehr genau weiß, wie man sich im Social Web bewegt und wie man Blogger gerade eben nicht als günstige PR kauft, sondern fair behandelt. Win-Win sozusagen. Vielen Dank, Dell!
Wie macht es sich?
Nun bin ich ja abseits vom Rösterdasein doch ein kleiner Geek/Admin und habe eine nicht ganz untechnische Herangehensweise. Bevor das XPS kam, war ich mit dem Lenovo ThinkPad X300 aus der prä-Ultrabook-Era schon ziemlich verwöhnt mit einem hervorragenden Display, der ThinkPad-typischen Tastatur und das in einem ziemlich mobilen Gerät. Daran muss sich das XPS 13 natürlich messen lassen.
Und was soll ich sagen? Nach anfänglicher Skepsis ob des doch sehr schicken Designs und des mittelmäßigen Displays war und bin ich noch immer ziemlich begeistert von dem Gerät. Die Tastatur ist richtig gut, und trotz jahrelangem Tippen auf Sun-Type-6- und ThinkPad-Tastaturen ging die Umgewöhnung ziemlich schnell und völlig schmerzlos vonstatten.
Das XPS 13 Ultrabook fühlt sich sehr solide an, der Kunststoff auf der Rückseite und der Handballenauflage ist haptisch sogar noch schöner als das Alu der Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel. Es ist leicht und klein genug um in Taschen nicht zu stören und lässt sich gut einhändig tragen. Robust ist es auch – jedes andere Notebook, das ich länger als 3 Monate in Besitz hatte, hatte deutlich eher sehr viel hässlichere Abnutzungsspuren als das XPS 13. Eigentlich hat es bis auf ein paar Lackabplatzer unterhalb des Stromanschlusses keine wirklichen optischen Mängel – wer mich kennt weiß, ich gehe nicht eben zimperlich mit meinen Computern um. Die sollen einfach funktionieren und nicht schön aussehen, von Laptoptaschen halte ich nicht sehr viel – das Gerät kommt halt direkt in die Tasche wie alles andere auch!
Natürlich habe ich das vorinstallierte Windows ziemlich direkt durch das von Dell und Canonical zusammengestellte Project Sputnik-Ubuntu ersetzt. Ein schnödes Windows 7 auf solch einem super-schicken Gerät fühlte sich einfach fundamental falsch an. Nach anfänglichen Treiberproblemen läuft das mittlerweile völlig langweilig, sprich: einfach herrlich zuverlässig. Die Akkulaufzeit ist mit irgendwas zwischen 4 und 7 Stunden ziemlich gut.
Es nervt nicht!
Neben dem Röster macht es sich auch hervorragend: damit logge ich die Temperaturkurven aller Röstungen, und von der Hitze, die der Röster dabei abstrahlt, und der staubigen Umgebungsluft hat sich das Gerät bisher nicht stören lassen. Außerdem ist es schnell – in den vergangenen Monaten habe ich mir nicht ein einziges Mal den schnelleren Prozessor gewünscht – das ganze System funktioniert einfach ziemlich fluffig und nervt nicht.
“Nervt nicht” ist so ziemlich die wichtigste Eigenschaft, die dieses Gerät hat – vorher war mir gar nicht klar, wie sehr mich andere Computer genervt haben weil sie zu langsam, zu laut, zu schwer, zu knarzig waren, zu kleine SSDs, nicht funktionierende Treiber oder sonst etwas hatten. Für mich ist das hier mit dem Project Sputnik-Ubuntu im Moment so ziemlich die Idealkombination: gewohnte Arbeitsumgebung, alles funktioniert, Gerät nervt nicht. Und schön aussehen tut es obendrein auch noch.
Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Das Display. Dell, ernsthaft? 1366×768 Pixel auf 13.3″ bei dem Preis? Mein vorheriges ThinkPad X300 hatte ein besseres Display UND eine höhere Auflösung UND 16:10 statt 16:9 (ja, es war neu auch teurer – das ist aber keine Ausrede: mein erstes Laptop in 2003 hatte ein 16:10 Display, 12″ und 1280x800px. Das Display war besser und hat damals vergleichbar viel gekostet wie das XPS 13 jetzt). Jeder Entwickler, Admin oder sonstwie mit einem portablem Computer Arbeitende wird das gleiche sagen: 16:9 ist schön zum Filme gucken, aber nicht gut zum Arbeiten, zumal in dieser geringen Auflösung. Ein Display mit etwas höherer Auflösung und bestenfalls sogar besserem Seitenverhältnis – dann wäre das XPS 13 Ultrabook auf der Liste meiner Will-Haben-Geräte sehr weit oben.
Überraschenderweise habe ich mich trotzdem recht schnell an das Display gewöhnt: die bessere Mobilität und dieses tolle “nervt nicht”-Feature machen die Displayauflösung tatsächlich zu einem kleineren Ärgernis, mehr aber auch nicht.
Die 2. Schattenseite: Das Gerät war laut. Der kleine Lüfter ging ziemlich oft an und musste recht viel heiße Luft aus dem Gehäuse pusten. Auf irgendeiner zufälligen Internetseite las ich dann, Dell hätte manchmal Qualitätsprobleme bei den Wärmeleitpads bzw. der Wärmeleitpaste zwischen Kühlkörper und CPU. Und tatsächlich: nachdem ich die Wärmeleitpaste fachgerecht getauscht hatte, war das Gerät plötzlich deutlich leiser, und zwar dauerhaft. Es wurde auch weniger warm in der oberen Tastaturhälfte. Ja, OK, damit habe ich mir warscheinlich dieses Ding mit der Garantie verscherzt (die wir von Dell freundlicherweise auch bekommen haben) – aber hey, ich bin Admin. Sowas mache ich halt. Und das Ergebnis gibt mir recht – aber, Kinder, macht das ja nicht Zuhause nach!
Das bringt mich zu einer weiteren Überraschung: Das Gerät ist von innen zwar kompakt, aber komplett übersichtlich aufgebaut. Akku ausbauen (der ist verschraubt), Lüfter und Kühlkörper abnehmen und die Wärmeleitpaste tauschen war in erfreulich kurzer Zeit erledigt. Ich habe den Eindruck, dass das nicht normal ist bei Ultrabooks. Daumen Hoch dafür!
Fazit: als mobiler Begleiter für überall, den man auch zwischendurch einfach mal kurz benutzen kann ohne dass es durch zu lange Aufwachzeiten oder einen auf sich aufmerksam machenden Lüfter nervt – fast perfekt. Für längere Programmiersitzungen arbeite ich aber nach wie vor an meinem PC: Die Ergonomie am Schreibtisch ist schlicht besser als an einem (jedem!) Notebook/Ultrabook – und 4GiB Arbeitsspeicher sind einfach zu wenig. Mehr Arbeitsspeicher und ein besseres Display würden meinen PC im Büro allerdings sehr schnell ziemlich überflüssig machen.
Details?
In diesem kleinen Review finde ich herrlich wenige technische Details. Das liegt wohl daran, dass technische Details nur dann wichtig werden, wenn “nervt nicht” gerade nicht funktioniert. Siehe das Display. “Funktioniert einfach, nervt nicht” dagegen macht die vielen kleinen technischen Details, die dazu führen dass es einfach funktioniert und eben nicht nervt, ziemlich unwichtig – und damit hat Dell (und vermutlich auch eine Reihe weiterer PC-Hersteller, da fehlt mir der Vergleich) wohl eine ziemlich wichtige Lektion von der Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel gelernt. Das finde ich gut.
Oh, übrigens hat Dell kürzlich auf der CES ein XPS 13 Ultrabook mit Full-HD Display und 8GiB Arbeitsspeicher vorgestellt. Damit ist es soeben auf meiner Liste der Will-Haben-Geräte auf Platz 1 gerückt – Dell hat damit die wichtigsten Kritikpunkte (damit war ich wohl nicht alleine) vollständig eliminiert. Will Haben!
Wisst ihr, was mir jetzt noch fehlt? Ein “funktioniert einfach, nervt nicht”-Smartphone. Aber man kann ja scheinbar nicht alles haben (wehe, es nimmt jetzt jemand das I-Wort in den Mund).
So long,
Lukas
* das Ultrabook sollte natürlich direkt zur Rösterei geliefert werden – aber hier aufm’ Dorf weiß auch der UPS-Mensch, wo wir wohnen wenn wir gerade zur Mittagspause nicht da sind
Liebe Leute,
was für ein Jahr liegt hinter uns!
2012 war voller Herausforderungen, Veränderungen und spannender Neuigkeiten. Ich kann es kaum fassen, dass die Eröffnung unserer kleinen Kaffeerösterei im Februar 2012 gerade mal ein Jahr her ist – für mich ist dieses Jahr als Kaffeeröster und Mitinhaber unserer kleinen Firma wie im Flug vergangen; Concorde, wenn sie noch fliegen würde. Eine Herausforderung jagte die nächste, der eingekaufte Kaffee wurde immer besser, die Röstungen haben wir immer besser im Griff, wir haben Juan kennengelernt mit dem wir unsere ersten Direct-Trade Kaffeesorten aus Kolumbien bekamen, mit “Mercanta – the Coffee Hunters”, Trabbocca und Amarella sind drei neue Rohkaffeehändler & Importeuere ins Boot gekommen, die jeder für sich spannende Projekte im Ursprung und unglaublich gute Kaffees an Board haben. Viele liebe Stammkunden haben uns die Treue gehalten, auch solche der Ersten Stunde – ein dickes, fettes Dankeschön dafür an dieser Stelle, Ihr seid die Größten! Was im Ladengeschäft gut zu beobachten war erzählt mir im Onlineshop unsere Datenbank: viele Kunden sind im letzten Jahr zu Stammkunden geworden. Das ist toll, denn das zeigt mir, dass wir hoffentlich mehr richtig als falsch gemacht haben im letzten Jahr!
Besonders freue ich mich darüber, dass unsere neuen, qualitativ viel besseren Kaffeesorten bei euch so gut ankommen – Euer Feedback motiviert ungemein, noch besser zu werden, tollere Kaffees zu finden und auch mal was verrücktes zu wagen.
Für mich gab es in 2012 ein paar Kaffee-Highlights:
Yirgacheffe Gr. 3 OCR
Der Äthiopien Yirgacheffe Gr. 3 Operation Cherry Red von der Konga Kooperative, der ist so etwas verrücktes – ich habe noch niemanden sagen hören “hm, schmeckt wie Kaffee”. Es gibt entweder ein “OMG best coffee ever!” oder aber “WTF urgs was ist das denn?!”, aber dazwischen nicht viel! Durch die ziemlich gelungene trockene Aufbereitung hat dieser Kaffee ein extrem intensives Aroma, das gerade als Espresso eine richtige Wucht ist. In Berlin könnt ihr diesen Kaffee übrigens bald in einem kleinen, aber mehr als feinem Café als Espresso, Cappuccino oder Flat White genießen – Details dazu gegen Ende Januar!
Brasilien Fazenda Irarema Decaf
Der Brasilien Fazenda Irarema Decaf – das ist einfach der beste Decaf, den ich je gehabt habe. Ein hervorragender Yellow Bourbon der Fazenda Irarema (die übrigens in direkter Nachbarschaft zur Fazenda Rainha liegt), von Mercanta entkoffeiniert, leider ziemlich teuer, aber eben extrem lecker. Dass er entkoffeiniert ist schmeckt man ihm einfach nicht an! Leider ist nicht mehr sehr viel davon da – welche Sorte diesen Kaffee als entkoffeeinierten in unserem Sortiment beerben wird wissen auch wir noch nicht, aber die Meßlatte ist jetzt auf jeden Fall sehr, sehr hoch angesetzt.
Kolumbien El Zapote
Unser erster direkt gehandelter, kolumbianischer Kaffee von der Hacienda El Encanto der Saldarriagas, Details dazu hier. Tolle Geschichte, toller Kaffee, sehr gut sortiert, unkompliziert, lecker! Im Kaffeetest der Gourmet-Zeitschrift Selection haben wir mit dem Kolumbien El Zapote 4 von 5 Sternen erreicht, und im Kaffee-Test auf kaffee-espresso-trinken.de führen wir mit 9 von 10 Punkten immer noch die Bestenliste an – Danke Juan für diesen tollen Kaffee!
Sumatra Blue Batak
Wieder ein kleiner Spalter, aber in meinen Augen der Winterkaffee schlechthin. Herb-würziges Aroma, Süßholz-artiger Geschmack, Duft nach frischem Tabak – alles, was ein guter Sumatra haben sollte, ohne die Defekte die im typischem Kaffee aus Sumatra leider viel zu häufig zu finden sind. Der Importeur Trabocca hat mit der Auswahl dieses Kaffees wirklich ganze Arbeit geleistet!
Ponya Estate Old Paradenia
Indien Ponya Estate Robusta, Varietät Old Paradenia, ähnlich dem “Monsooning” beim Monsooned Malabar hatte dieser Kaffee mehrere Monate im tropischen Klima gelegenheit bei täglichem Wenden zu reifen und zu dem zu werden was er jetzt ist – der beste Coffea Canephora (oft auch einfach nur als Robusta bezeichnet, leider häufig falsch), den ich bisher hatte. Von wegen “Robusta billig, Arabica gut” – wird ein guter Robusta gehegt und gepflegt wie ein guter Arabica, kann etwas durchaus sehr besonderes dabei herumkommen. Vielen Dank an B. B. Chengappa von den Palthope Estates, zu der auch die Ponya Estate gehört, und Dr. Schwarz von Amarella Trading, die das möglich gemacht haben!
Team
Auch wenn wir manchmal vielleicht einen anderen Eindruck hinterlassen: Wir sind eine ziemlich kleine Firma. Ohne den persönlichen Einsatz unseres hart arbeitenden kleinen, aber feinen und räumlich quer über Deutschland verteilten Team aus Mitarbeitern, Partnern, einfach-so-mal-eben-Helfern, Unterstützern, Freunden und Ratgebern wären wir nicht da, wo wir heute sind – DANKE!
- schreibt Lukas, der in seiner kleinen Rösterei im schön diesigen Porta Westfalica sitzt und sich ‘nen Keks freut!
Hallo liebe Leute, in aller Kürze (Newsletterabonennten wissen schon etwas länger bescheid): Juan und die Saldarriagas waren begeistert, wie wir ihren Kaffee angeboten & geröstet haben. Ob wir nicht Lust hätten, euch für kurze Zeit alle 5 (!) Parzellenkaffees der Haciendas El Encanto und La Claudina anzubieten?
Was für eine Frage. Na klar! Deswegen gibts jetzt im Kolumbien-Special von der Hacienda La Claudina den süßen El Mandarino und schokoladigen Los Andes und von der Hacienda El Encanto den vielschichtigen Los Guayabos und den intensiven La Platanera und den schon bekannten und kräftig-herb-fruchtigen El Zapote . Das Ganze gibts natürlich auch zum Ausprobieren als Ganze Bohne Probierpaket.
Also, wer schon immer mal wissen wollte, wie unterschiedlich Kaffees schmecken können, die in unmittelbarer Nähe wachsen – das ist die Gelegenheit! Natürlich sind alle 5 Kaffees die beste Sortierung – Supremo – und die Qualität sowohl der Rohbohne als auch in der Tasse ist einfach spitze. Juan selbst ist zur Zeit übrigens wieder in Kolumbien – die neue Ernte steht an, und ich bin sehr gespannt wie sich das direkte Feedback von uns und anderen Röstern im März, wenn sie hier ankommt, in der Tasse niederschlägt. So macht Handeln Spaß! Oder, um es wie Mondo del Caffè auszudrücken: Fair gehandelt – aber für ALLE!
Soweit für Heute aus der Rösterei,
Lukas
Man kann den Mann nicht einen Moment aus den Augen lassen: Lukas allein beim Kaffee-Campus der Deutschen Röstergilde ist wie ein Kind nachts im Bonbonladen. Da kommt man am späten Nachmittag dazu und darf erst einmal seinen Wocheneinkauf zur Seite räumen, um im Kofferraum Platz für zwei unerwartete Kaffeesäcke zu schaffen. Aber ich muss zugeben, wahrscheinlich hätte ich auch nicht widerstehen können. Zu Lukas’ vielversprechendem Bericht vom Cupping (dazu schreibt er selbst später mehr) kam die gute Unterhaltung mit Juan Fernando Saldarriaga, dem sympathischen Besitzer der Farm. Der hat die Säcke dann auch gleich von einem Auto ins andere geladen.
Unser spontaner Neuzugang kommt von der Hazienda El Encanto, einer von zwei kleinen Farmen im südwestlichen Teil der Region Antioquia (Kolumbien), die Juans Familie gehören. Man sagt, aus dieser Gegend käme der feinste Kaffee Kolumbiens. Juans Kaffee wird parzellenweise angebaut und geerntet, man kann also sehr genau sagen, wo der Kaffee gewachsen ist. Durch das spezifische Mikroklima können sich schon Lots, die ein paar hundert Meter voneinander entfernt angebaut wurden, deutlich voneinander unterscheiden. Unser Lot, “El Zapote”, wächst auf einer Höhe von 1.400 bis 1.600 Metern und umfasst insgesamt nur gut zweieinhalb Tonnen aus einer Anbaufläche von 4,8 Hektar. Sie sind in 35-Kilo-Säcken statt der üblichen 70 Kilo verpackt. Das ist deutlich angenehmer zu tragen, für die Arbeiter vor Ort genauso wie für uns beim Umladen.
Juan importiert seinen Kaffee zusammen mit Alfons Schramer von Mondo del Caffe, mit dem wir wiederum schon lange gut zusammenarbeiten. Zuletzt hat Lukas dort die Röstmaschine in Beschlag genommen, um für unser Weihnachtsgeschäft zu rösten, als unser eigener Ghibli-Röster noch unterwegs war. Alfons war selbst vor Ort und hat sich von der Qualität und den sozialen Bedingungen überzeugt. Sein Sohn Felix war am Wochenende auch in Münster und hat uns Juan vorgestellt. So freundschaftlich handelt es sich am besten.
Natürlich kommen wir mit den zwei Säcken nicht weit, aber die haben ja noch ein paar Geschwister und es reicht zum Testen, für uns und für Euch. Wenn Euch “El Zapote” gefällt, gibt es mehr davon. Ihr findet ihn Ende des Monats in unserem Shop.
Oder: Wie der Lukas zum Kaffee kam
Nachdem unsere Rösterei mit einem alle Erwartungen übertreffenden Eröffnungstag im Februar gestartet ist, ging es direkt ans Eingemachte: Neue Kaffees!
Ich stand vor der gar nicht so einfachen Entscheidung, unseren bisherigen Äthiopien Yirgacheffe durch einen neuen zu ersetzen. Natürlich hätte ich einfach einen Yirgacheffe zu etwa den gleichen Konditionen und bei etwa der gleichen Qualität wie bisher kaufen können. Aber mich wurmte ein wenig die Tatsache, dass ich in den letzten 2-3 Jahren mit keinem Yirgacheffe, den ich getrunken habe, so richtig zufrieden war. Für mich ist und bleibt ein Yirgacheffe immer ein besonderer Kaffee, und dieses Besondere wollte ich unbedingt auch wieder in der Tasse haben.
Dazu eine kleine Geschichte, wie denn der Lukas überhaupt zum Kaffee kam:

Erste Röstversuche, seit Ende 2005 mit einem gußeisernen Kaffeeröster anno 1920. Sehr empfehlenswert wenn man einen Gasherd hat
Vor mittlerweile 9 Jahren mit Anfang 20 hatte ich mir gerade erst überlegt, ich müsste mich mal etwas näher mit Kaffee beschäftigen. Musste ja schliesslich was dran sein, dass wir deutschen nicht unerhebliche Mengen davon jeden Tag zu uns nehmen. Und irgendwie kann es ja auch nicht sein, dass ich Kaffee nur mit viel Milch und noch mehr Zucker ertragen konnte. Ausserdem wurde die Programmiersprache, die wir gerade in der Uni benutzten, nach einer Kaffeesorte benannt: Java. Also auf in ein kleines Café in Münster und einen Java Blawan bestellt. Doch was macht ein gewisser Mario Joka? Statt des bestellten Java bringt er mir einfach einen äthiopischen Yirgacheffe. Zusammen mit dem freundlichen Hinweis, wenn ich mich mit Kaffee beschäftigen will, wäre es doch schön mit äthiopischem Kaffee anzufangen: schließlich kommt die Kaffeepflanze ursprünglich daher, und dort, im alten Abessinien, wurde der Legende nach auch die betörende Wirkung dieser Kaffeekirsche entdeckt.
Leicht pikiert nahm ich das so hin und probierte den Kaffee – und mit einer Aroma- und Geschmacksexplosion machte es Ziiingg in meinem Kopf. Dies war also mein allererster Kaffee-Aha-Moment. Ab dem Zeitpunkt war klar: ich will mehr. Mehr wissen, mehr schmecken, mehr riechen, mehr sehen von Kaffee und allem was dazu gehört. Hätte ich gewußt, was diese Neugier im nächsten Jahrzehnt so alles mit mir anstellt – ich hätte mich wahrscheinlich auf der Stelle für völlig bekloppt gehalten und vorsorglich in die Psychatrie einweisen lassen. Noch ein Hobby konnte ich eigentlich auch überhaupt gar nicht gebrauchen.
Dass ich fast 9 Jahre später nach einer wahren Odyssee (im positiven Sinne) in meiner eigenen Rösterei sitze und diesen Blogeintrag verfasse hätte ich mir nicht träumen lassen – und das macht mich ziemlich glücklich!

Cuptasting beim European Team Coffee Challenge 2006. Wir (Team Deutschland) haben übrigens den Filterkaffeeworkshop gewonnen - beim Cuptasting waren die Esten schneller
OK, nun ist es also verständlich, warum ich von den Yirgacheffes der letzten Jahre etwas enttäuscht war: dieser wichtige Moment ist in meinem kleinen Hirn auf gedeih und verderb mit dem Aroma und dem Geschmack dieser einen Tasse Äthiopien Yirgacheffe von 2004 verbunden. Klar, dass da die leicht anders schmeckenden Ernten der letzten Jahre einfach nicht mithalten konnten.
Auf der Suche nach einem neuen Yirgacheffe bekam ich auch Proben von Trabocca, einem niederländischen Importeur vornehmlich zentralafrikanischer Kaffees mit einem guten Augenmerk für ethische Prinzipien und fairem Handel. Beim ersten Verkosten der Proben war es plötzlich wieder da: dieses spezielle Aroma, dass mich sofort wieder in Erinnerungen an meinen Aha-Moment schwelgen ließ. Genau diesen und keinen andern Yirgacheffe wollte ich also haben.

Cupping des Sonntagmorgen-Sortiments 2009 (siehe auch)
Nun, wie Murphy es verlangt war das natürlich a) der teuerste und b) leider der am wenigsten für uns zurückverfolgbarste Yirgacheffe von allen. Dazu muss man wissen, dass Äthiopien den Kaffeehandel vor ein paar Jahren komplett verstaatlicht hat. Jeder Kaffee der das Land verlässt (auch die guten Spezialitätenkaffees) muss durch die ECX, die Ethiopia Commodity eXchange, gehandelt werden. Während der Qualitätsprüfung durch äthiopische Kaffeetester (Äthiopien hat übrigens die meisten Q-Grader in Afrika) bekommen die Kaffees dann Namen, die ihrer Geschmacksqualität entsprechen – Yirgacheffe für blumig-würzige Kaffees, Sidamo für eher zitronig-süße, Limu für weinige Kaffees und noch einige mehr. In Äthiopien bezeichnet der regionale Name also nicht mehr die Region, aus der der Kaffee stammt, sondern die Region, nach der der Kaffee typischerweise schmeckt. Das macht es relativ kompliziert, den Kaffee bis zur Farm oder Kooperative zurückzuverfolgen. Trabocca arbeitet eng mit Kooperativen vor Ort zusammen und hat unter anderem das Projekt Operation Cherry Red ins Leben gerufen: dabei geht es darum, nur die reifesten Kirschen einer Ernte zu selektieren und daraus dann höherpreisige, weil bessere, Kaffees zu machen. Das Gros der Profite geht dann wieder in die Kooperativen, um die Kaffeequalität wieder zu verbessern, womit dann wieder bessere Preise erzielt werden können. Mit ein paar Tricks kann man diese Kaffees dann trotz ECX auch nach der Auktion wieder dem Erzeuger zuordnen.
Zurück zu unserem Yirgacheffe: Trabocca hat ihn direkt an der Börse aufgrund der Qualität in der Tasse gekauft – genau wie wir nach einem Blindtest diesen Kaffee von Trabocca gekauft haben. Mehr weiß ich leider nicht darüber. Ich glaube aber, dass in einen Kaffee dieser Qualität sehr viel Arbeit mit Liebe zum Detail stecken muss, und das macht man einfach nicht, wenn es sich nicht lohnt. Wer immer diesen Kaffee angebaut, geerntet, sortiert, getrocknet und weiterverarbeitet hat: Danke!
P.s. als Kaffee des Monats ist der Äthiopien Yirgacheffe im Mai 1€ pro Packung günstiger!
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